Spruch der Woche

Nichts wird langsamer vergessen als eine Beleidigung und nichts eher als eine Wohltat. - Martin Luther
Spruch der Woche
Nichts wird langsamer vergessen als eine Beleidigung und nichts eher als eine Wohltat. - Martin Luther

Die Kirchengemeinde St. Blasius Attenweiler

Gebäude und Einrichtungen:

  Kirche: (Rupertshofer Str. 4)
              1722-1725 erbaute Barockkirche. Bauherr Didakus Ströbele (Abt vom Kloster Schussenried).
              Sie ist dem Hl. St. Blasius geweiht. Hochaltarbild (1735) von F. J. Spiegler (1691-1757).
              Orgel (1842) erbaut von Franz Sales Hechinger (1800-~1879)

 Pfarrhaus: (Rupertshofer Str. 2)
              1732 erbaut ebenfalls von Didakus Ströbele im Rokoko-Stil. Elegantes Portal, noble
              Innenausstattung mit geschnitzten Eichenholztüren und Stuckdecken. War Sommerresidenz
              der Schussenrieder Äbte.
              Wurde 1980 verkauft und ist nun in Privatbesitz.

 Gemeindehaus: (Rupertshofer Str. 6)
              1904 als kath. Schulhaus (1904-1965) gebaut.
              Seit 1965 kath. Gemeindehaus mit 2 Sälen, Küche, Pfarrbüro und einer Wohnung

 Friedhof:                (Friedhofstraße)

Aussenansicht unserer Kirche St. Blasius

Innenansicht

ehemaliges Pfarrhaus

Kurze Chronik

um 800 - Christianisierung in unserer Gegend abgeschlossen (es gab noch keine Kirchenspaltung).

1275 –    wird der Name der Pfarrei „Attenwiler Archidiaconatu* dmi? de Rütelingen in decanatu
               Haigingen? (Hayingen)“
genannt.   (*= Erzdiakonat).   _*)1.

              1275 war bereits die Pfarrstelle in Attenweiler besetzt: „Der Rektor in
              Attenweiler hat 15 Pfd. Einkommen“.

1427 –    wurde die Pfarrei dem Prämonstratenserkloster Schussenried inkoperiert.

1517 –    Reformation  -  Martin Luther schlug seine Thesen an.

1531 –    Reformation  -  in Biberach eingeführt.

1535 –    Reformation griff auf Attenweiler über  (Hospital Biberach war evangelisch geworden).
               „Anno 1535 wurden die Pfarrer zu Attenweiler und Muttensweiler ausgetrieben, das Exercitium
               Catholicum verboten, .... .... anstatt deren Praedicanten an beede Ort eingesetzt worden“.   _*)1.

1548 –    Nach dem Augsburger Reichstag mussten nun die evangelischen Landpfarrer ihre Dörfer verlassen,
               so auch der Attenweiler Hans Jäger (1545-1548).   _*)3.

1618–1648 – Der Dreißigjährige Krieg. Mehrfacher Glaubenswechsel.

1632 –    Nach dem Einzug der Schweden in Biberach hörte der Glaubenszwang auf und die allermeisten
               „Bekehrungen“ hatten keinen Bestand. Attenweiler bekam Anstelle des katholischen Pfarrers
               wieder einen evangelischen; Caspar Gaupp von Biberach. Dieser wurde

1633 –    von den Kaiserlichen vertrieben und flüchtete nach Biberach.

1648 –    Im Westfälischen Frieden wurde die konfessionelle Parität festgeschrieben, d. h., dass beide
               Konfessionen ihre Güter, Rechte und Religionsausübung nach dem Stand vom 1. Januar 1624, dem
               Normaljahr, haben und behalten sollten.

1649 –    Nach dem Friedenschluss setzte Abt Matthäus 9 Zweifel auf, mit denen er das Spital z. B. fragte:
               “....
                ob Kraft der Friedensinstrumente die Religion zu Attenweiler frei sei?
                ob ein Prädikant hier geduldet werden müsse?
                Wer ihn salarieren müsse?
                ob die Lutheraner eine eigene Kirch bauen oder das Exercitum simultaneum gestattet werden
                     müsse?
                ....“.   _*)1.
               Auf Grund der Bestimmungen im Westfälischen Frieden (und eventuell der vorgenannten „Zweifel“)
               wurde dann für Biberach in einer vom Herzog von Württemberg und dem Bischof von Konstanz
               beschickten Kommission die speziellen Regelungen ausgehandelt und im
               „Exekutionskommissionsrezeß“ festgehalten. Diese Regelungen sahen folgendes vor:

  1. Die Attenweiler Pfarrei samt Kirche ist eine zum Kloster Schussenried gehörende katholische
                      Pfarrei.
  2. Die Evangelischen gehören zur Kirche Maria Magdalena in Biberach und besuchen die dortigen
                      Gottesdienste. Weiter war festgelegt, dass die Evangelischen von Attenweiler dort
                   ihre Kinder taufen und
                   ihre Ehen einsegnen lassen.
                   Evangelische Prediger dürfen aus der Stadt zu seelsorgerlichen Besuchen zu Kranken gerufen
                      werden, auch mit Abendmahl.
                  Die evangelischen Verstorbenen werden auf dem Friedhof in Attenweiler bestattet, wozu die
                      Glocken läuten.   _*)3.
                  Durch diese Regelung waren die Attenweiler Evangelischen gezwungen nach Biberach in die
                      St. Maria Magdalena Kirche (im kath. Friedhof, Ehinger Straße) zu gehen.
                  Diese Bestimmungen galten bis ins 19. Jh..

1722–1725 – Neubau der Kirche.

1828 –    Erwähnung eines „schwachen Sängerchor“ im Visitationsbericht.

1868 –    Einweihung des neuen „Gottesacker“. Bis dato wurden die Katholiken und Lutheraner auf dem
               Gottesacker bei der Kirche begraben.

1917 –    Ablieferung der zinnernen Orgelpfeifen für Kriegszwecke.

1942 –    Abnahme der großen und mittleren Kirchenglocke für Kriegszwecke. Beide Glocken kehrten

1948 –    wieder heim.

1975 –    Verstarb der letzte in Attenweiler residierende kath. Pfarrer (Emil Minarsch)

1981 –    Brand in der Kirche infolge eines Defektes in der Orgelspieltischheizung.

1986 –    Durch den Neubau der Aussegnungshalle auf dem „ev. Teil“ des Friedhofes wurde die getrennte
               Belegung aufgehoben.

2005 –    Anschaffung der 4. Glocke

   

Literaturhinweise

Anonyme Beschreibung der kath. Kirchengemeinde Attenweiler_*)1

„Unter Reichsadler und Krummstab“ Reinhold Mildenberger, 1986   (Neuaulage 2004)

„Attenweiler - Zwei Konfessionen ein Dorf“ - Paul Hespeler 1993      (ISBN 3-924489-67-X)   _*)3